TRAUREDNERIN FRANKFURT - JESSICA HÄRTEL

Eure Liebe, euer Tag

Eine Trauung beginnt lange vor dem Ja.

Eine freie Trauung ist für mich weit mehr als eine persönliche Rede am Hochzeitstag. Sie beginnt mit einem Gespräch, das Zeit haben darf. Mit Fragen, die über das Kennenlernen und die schönsten gemeinsamen Erinnerungen hinausgehen. Wer seid ihr miteinander geworden? Was verbindet euch, gerade dann, wenn das Leben nicht einfach ist? Welche Werte, Gewohnheiten und kleinen Gesten tragen eure Beziehung? Und was möchtet ihr euch für die Zukunft bewahren?

Jeder von euch bringt eine eigene Geschichte mit. Erfahrungen aus der Herkunftsfamilie, Vorstellungen von Partnerschaft, Überzeugungen, die sich bewährt haben, und manches, das ihr vielleicht bewusst anders gestalten möchtet. Darüber zu sprechen, ist für mich ein wesentlicher Teil unserer Vorbereitung. Ebenso wie die Frage, was ihr bereits miteinander gelernt habt, worin ihr euch unterscheidet und welche Vorstellungen ihr von eurer gemeinsamen Zukunft habt. Nicht, weil wir auf alles eine Antwort finden müssen. Sondern weil es sich lohnt, vor einem so bewussten Schritt noch einmal genau hinzuschauen.

Aus diesen Gesprächen entwickle ich eine Rede, die euch nicht auf eine romantische Erzählung reduziert. Sie darf klug sein, humorvoll, nachdenklich und emotional. Entscheidend ist, dass sie zu euch passt und eure Gäste auf unterschiedlichen Ebenen erreicht. Dass sie nicht nur das Herz anspricht, sondern auch den Verstand. Und dass sie Menschen nicht in eine vorgefertigte Vorstellung davon presst, wie Liebe auszusehen hat.

Am Hochzeitstag bekommt all das seinen gemeinsamen Ausdruck. Was wir in den Gesprächen entdeckt, hinterfragt und in Worte gefasst haben, wird Teil einer Zeremonie, in der ihr euch wiedererkennt und die auch für eure Gäste nachvollziehbar macht, weshalb ihr euch füreinander entschieden habt.

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So unterschiedlich wie das Leben. So unterschiedlich das Ja.

Manche Menschen begegnen sich früh und wachsen über viele Jahre miteinander. Andere werden vom Leben zusammengeführt, übernehmen schon in jungen Jahren Verantwortung und erkennen erst im Rückblick, wie viel sie gemeinsam bewältigt haben. Wieder andere finden erst später zueinander, mit eigenen Lebensgeschichten, Erfahrungen und vielleicht auch Kindern, die längst dazugehören.

Und dann gibt es Paare, die nach vielen gemeinsamen Jahren noch einmal bewusst Ja zueinander sagen möchten. Nicht, weil das erste Versprechen an Bedeutung verloren hätte, sondern weil sie heute sehr viel genauer wissen, was es bedeutet, diesen Menschen an ihrer Seite zu haben.

So verschieden die Wege sind, die Menschen miteinander gehen, so unterschiedlich sind auch die Gründe, ihre Verbundenheit mit einer Zeremonie zu würdigen. Manchmal ist es der Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Manchmal die Anerkennung dessen, was man gemeinsam getragen und erreicht hat. Und manchmal der Wunsch, einer längst gelebten Entscheidung noch einmal einen besonderen Ausdruck zu geben.

Ob erste große Liebe, zweite Ehe, Patchworkfamilie, gleichgeschlechtliche Partnerschaft oder spätes Glück: Keine dieser Geschichten braucht eine Schablone. Sie verdient eine Zeremonie, die ihrer jeweiligen Wirklichkeit gerecht wird und dem Bedeutung gibt, was für diese beiden Menschen zählt.

Wo und in welcher Sprache ihr Ja sagt.

Wo zwei Menschen heiraten, ist längst nicht mehr selbstverständlich an ihren Wohnort gebunden. Es kann ein Ort sein, an dem sie gemeinsame Wurzeln haben, an den sie gerne zurückkehren oder den sie ganz einfach für ihre Hochzeit gewählt haben. Von Frankfurt über das Rhein-Main-Gebiet und den Taunus bis zu einer Destination Wedding im Ausland begleite ich Paare an den Orten, die sie für ihre Trauung ausgesucht haben.

Ich gestalte freie Trauungen auf Deutsch, Englisch und Spanisch sowie bilinguale und interkulturelle Hochzeitszeremonien. Dabei geht es um weit mehr als darum, das bereits Gesagte in einer zweiten Sprache zu wiederholen. Humor, kulturelle Bezüge und selbst die Bedeutung bestimmter Worte entfalten nicht überall dieselbe Wirkung. Deshalb entwickle ich eine gemeinsame Dramaturgie, in der sich Sprachen und kulturelle Perspektiven ergänzen. So entsteht keine Rede in doppelter Ausführung, sondern eine Zeremonie, die auch für Menschen, die beide Sprachen verstehen, mehr bereithält als eine Übersetzung.

Dass ich selbst in verschiedenen Ländern aufgewachsen bin und viele Jahre international gearbeitet habe, prägt meinen Umgang mit Sprache und kulturellen Unterschieden. Diese Erfahrung bringe ich in meine Arbeit ein, ob bei einer Hochzeit mit internationalen Gästen in Frankfurt oder einer Trauung im Ausland.

Entscheidend ist für mich, dass Worte, Haltung und Ablauf zusammenpassen.

Wenn du mehr über meine Arbeit mit bilingualen und mehrsprachigen Hochzeiten lesen möchtest, findest du hier meinen Beitrag zu bilingualen Trauungen bei den Freien Rednern.

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Eine Zeremonie, die eure Handschrift trägt.

Was gehört eigentlich zu einer Hochzeit? Was möchtet ihr aus Tradition bewahren, was bewusst anders gestalten? Und worauf könnt ihr gut verzichten? Eine freie Trauung eröffnet uns die Möglichkeit, genau das miteinander zu besprechen und eine Form zu finden, die euren Vorstellungen und eurer Geschichte gerecht wird.

Vielleicht ist es ein Musikstück, das mehr über eure Beziehung erzählt als viele Worte. Vielleicht ein Mensch, den ihr an diesem Tag besonders einbeziehen möchtet. Ein Ritual, das für euch eine persönliche Bedeutung hat. Oder etwas ganz anderes, auf das wir erst im Laufe unserer Gespräche kommen.

Eine freie Trauung darf leicht sein und zugleich Substanz haben. Sie darf humorvoll sein, überraschen, nachdenklich machen und berühren. Nicht durch inszenierte Gefühle, sondern durch das, was tatsächlich zu euch gehört. Eure Gäste sollen euch in dem wiedererkennen, was sie längst an euch kennen, und zugleich Seiten entdecken dürfen, von denen sie bisher vielleicht noch nichts wussten.

Ich bringe meine Erfahrung, meine Ideen und mein Gespür für eine stimmige Dramaturgie ein. Aus euren Vorstellungen und den Ergebnissen unserer Gespräche entwickle ich eine Zeremonie, in der Worte, Musik und persönliche Beiträge ihren Platz finden und ein durchdachtes Ganzes ergeben. Am Hochzeitstag führe ich euch und eure Gäste aufmerksam, sicher und mit der nötigen Flexibilität durch diesen besonderen Moment.

Ob mit wenigen vertrauten Menschen oder einer großen Hochzeitsgesellschaft: Die Größe der Feier verändert nicht meinen Anspruch an ihre Gestaltung.

Meine Stimme. Meine Haltung.

Was mir bei einer freien Trauung wichtig ist. In knapp drei Minuten persönlich erzählt.

Fragen, die sich zu stellen lohnen.

Warum sprechen wir vor unserer Hochzeit so ausführlich über unsere Beziehung?

Die Idee der Ehevorbereitung finde ich bis heute bemerkenswert. Unabhängig von religiösen Überzeugungen steckt darin ein Gedanke, der für mich nichts an Bedeutung verloren hat: Bevor zwei Menschen einander versprechen, ihr Leben miteinander zu teilen, nehmen sie sich bewusst Zeit, über dieses gemeinsame Leben nachzudenken.

Genau diesen Raum möchte ich euch in unserem ausführlichen Gespräch geben. Denn zwischen der Organisation einer Hochzeit, dem Beruf und dem ganz normalen Alltag bleibt oft wenig Gelegenheit, einander noch einmal Fragen zu stellen, die über die nächste Urlaubsplanung hinausgehen.

Wer sind wir eigentlich als Paar? Was schätzen wir am anderen, und zeigen wir ihm das auch noch? Welche kleinen Rituale haben wir entwickelt, welche sind uns unterwegs abhandengekommen? Was haben wir in schwierigen Zeiten über uns gelernt? Und was wünschen wir uns für die Jahre, die vor uns liegen?

Mich interessiert dabei auch, wie unterschiedlich Menschen Liebe ausdrücken und wahrnehmen. Was für den einen eine selbstverständliche Geste ist, kann für den anderen eine große Bedeutung haben. Darüber miteinander zu sprechen, führt manchmal zu überraschenden Erkenntnissen, selbst wenn man sich schon lange kennt.

Natürlich ist unser Gespräch kein Ehevorbereitungskurs im klassischen Sinne und schon gar keine Paartherapie. Aber ich wünsche mir, dass ihr daraus mehr mitnehmt als die Grundlage für eine schöne Traurede. Dass ihr euch Zeit füreinander genommen habt, miteinander gelacht, euch erinnert und vielleicht auch etwas ausgesprochen habt, wofür bisher der richtige Moment fehlte.

Und für mich ist genau dieses Gespräch die Grundlage, um eure Geschichte so erzählen zu können, dass ihr euch darin wirklich wiederfindet.

Was heißt eigentlich außergewöhnlich?

Es gibt die leisen Lieben und die großen, die temperamentvollen und die zurückhaltenden. Es gibt Paare, die mit großer Selbstverständlichkeit vor hundert Menschen stehen, und solche, für die es schon Überwindung kostet, vor den engsten Freunden über ihre Gefühle zu sprechen. Die einen erzählen ihre Geschichte mit viel Humor, die anderen finden ihre Worte erst nach einer Weile.

Und doch haben sie alle etwas gemeinsam: Sie haben sich füreinander entschieden.

Ich finde, dass gerade darin heute etwas Außergewöhnliches liegt. In einer Zeit, in der uns so viele Möglichkeiten offenstehen, in der wir uns immer wieder neu orientieren und Entscheidungen auch aufschieben können, sagen zwei Menschen ganz bewusst: Du bist es. Mit dir möchte ich mein Leben teilen.

Sie behalten diese Entscheidung nicht für sich. Sie sprechen sie aus, vor den Menschen, die ihnen nahestehen, manchmal unter freiem Himmel, manchmal an einem Ort, der für sie eine besondere Bedeutung hat.

Wenn ich mit einem Paar zusammensitze, suche ich deshalb nicht nach einer möglichst aufregenden Geschichte. Ich möchte verstehen, warum gerade diese beiden Menschen miteinander durchs Leben gehen wollen. Was sie aneinander gefunden haben, was sie verbindet und was sie auch dann zusammenhält, wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Manchmal steckt die Antwort in einer großen gemeinsamen Erfahrung. Manchmal in einer beiläufigen Bemerkung, bei der ich noch einmal nachfrage.

Dabei höre ich nicht nur auf das, was erzählt wird, sondern auch darauf, wie zwei Menschen miteinander sprechen, worüber sie gemeinsam lachen und was ihnen sichtlich wichtig ist. Daraus entsteht nach und nach ein Bild, das weit über die Frage hinausgeht, wo und wie sie sich kennengelernt haben.

Und dieses Bild bestimmt auch, wie ich ihre Trauung gestalte. Ich möchte niemanden zu großen Gefühlsbekundungen überreden, der sich damit unwohl fühlt. Genauso wenig möchte ich die Lebendigkeit eines Paares zurücknehmen, das seine Freude am liebsten mit allen teilt. Die Worte, der Humor, die stillen Momente und die gesamte Atmosphäre sollen zu den Menschen passen, die vor mir stehen.

Das ist es, was ich an freien Trauungen so liebe: dass zwei Menschen ihrer Entscheidung füreinander eine eigene Form geben. Meine Aufgabe ist es, diese Form gemeinsam mit ihnen zu finden und ihrer Geschichte Worte zu geben, in denen sie sich wiedererkennen. Nicht außergewöhnlicher, als sie sind. Sondern so persönlich, wie nur ihre Geschichte sein kann.

Sehr persönlich. Aber niemals um den Preis, dass sich jemand bloßgestellt fühlt.

In unseren Gesprächen erfahre ich oft sehr viel mehr, als später in der Traurede erzählt wird. Das ist auch notwendig, denn manchmal muss ich die Hintergründe einer Geschichte kennen, um zu verstehen, was sie für zwei Menschen bedeutet. Aber nicht alles, was mir anvertraut wird, gehört vor ein Publikum.

Deshalb frage ich euch ganz ausdrücklich, ob es Themen gibt, die wir ausklammern sollen. Ob bestimmte Erfahrungen nur angedeutet werden dürfen. Und wie wir mit Menschen und Beziehungen umgehen, die zu eurer Geschichte gehören, auch wenn die Familienverhältnisse vielleicht etwas komplizierter sind.

Besonders aufmerksam bin ich beim Humor. Ich mag es sehr, wenn bei einer Trauung gelacht wird, auch über die kleinen Eigenheiten, die man am anderen so gut kennt. Aber ich möchte nicht, dass jemand auf seinem eigenen Hochzeitsfest plötzlich zum Gegenstand einer Pointe wird. Was unter vier Augen komisch ist, muss es vor hundert Gästen noch lange nicht sein.

Und manchmal ist es gerade das, was wir nicht aussprechen, das einer Geschichte ihre Würde lässt.

Ich möchte, dass ihr euch in meinen Worten wiedererkennt. Dass ihr lachen könnt, berührt seid und euch wohlfühlt mit dem, was über euch erzählt wird. Dafür muss eine Rede nicht alles preisgeben. Sie muss das Richtige erzählen.

Nicht unbedingt. Und schon gar nicht, weil man das bei einer freien Trauung eben so macht.

Was häufig als Ritual bezeichnet wird, ist eigentlich eine symbolische Handlung innerhalb der Zeremonie. Sie kann ganz unterschiedliche Formen annehmen und ist für mich dann besonders schön, wenn sie eine Bedeutung hat, die über den Augenblick hinausreicht.

Ich mag an diesen Momenten, dass sich für einen Augenblick auch die Rollen verändern. Ihr dürft einmal durchatmen, euch umsehen und das, was gerade geschieht, ein wenig auf euch wirken lassen. Und eure Gäste können mehr sein als aufmerksame Zuhörer. Sie können etwas beitragen, euch etwas mitgeben oder gemeinsam etwas entstehen lassen, das euch noch Jahre später an diesen Tag erinnert.

Manchmal werden dabei auch Kinder, Eltern oder enge Freunde einbezogen. Gerade wenn aus unterschiedlichen Lebensgeschichten eine gemeinsame Familie geworden ist, kann eine solche Handlung auf eine ganz eigene Weise zeigen, wer zu diesem neuen Wir gehört.

Es gibt unzählige Ideen dafür. Manche sind wunderbar schlicht, andere aufwendiger. Was dem einen Paar viel bedeutet, fühlt sich für ein anderes völlig fremd an. Deshalb sprechen wir ausführlich darüber, ob ihr euch eine symbolische Handlung wünscht, was sie ausdrücken soll und wer daran beteiligt sein könnte.

Und wenn wir dabei feststellen, dass nichts davon zu euch passt, dann lassen wir es weg. Eine freie Trauung braucht kein Ritual, um vollständig zu sein. Aber wenn wir eines gestalten, dann sollte es einen guten Grund haben, genau so und nicht anders stattzufinden.

Das kommt häufiger vor, als ihr vielleicht denkt. Und ich gebe zu: Solche Gespräche wecken durchaus meinen sportlichen Ehrgeiz.

Der eine möchte seine Liebeserklärung am liebsten vor allen Gästen aussprechen, der andere bekommt schon bei dem Gedanken daran Herzklopfen. Einer freut sich auf die freie Trauung, während der andere noch nicht so recht weiß, was er davon halten soll. Und manchmal sitzt mir ein Paar gegenüber, bei dem einer eigentlich lieber kirchlich geheiratet hätte, was aus unterschiedlichen Gründen aber nicht möglich ist.

Ich finde solche Unterschiede ausgesprochen interessant. Denn es geht ja nicht darum, wer sich mit seinen Vorstellungen durchsetzt. Ich möchte verstehen, was hinter den jeweiligen Wünschen steckt. Warum ist dem einen ein öffentliches Eheversprechen so wichtig? Was genau macht dem anderen daran zu schaffen? Und was verbindet beide, auch wenn sie sich die Zeremonie zunächst ganz unterschiedlich vorstellen?

Manchmal finden wir eine Lösung, auf die vorher keiner von beiden gekommen wäre. Ein persönliches Versprechen kann beispielsweise auch in einer anderen Form seinen Platz bekommen, ohne dass jemand vor allen Gästen sprechen muss.

Und eine freie Trauung muss keineswegs frei von Glauben oder Spiritualität sein. Wenn einem von euch ein christlicher Segen wichtig ist, dem anderen aber weniger, können wir auch dafür eine passende Form finden. Gerade bei bilingualen Zeremonien erlebe ich, dass ein Segen in der Sprache der Familie gesprochen wird, für die er eine besondere Bedeutung hat. So bekommt eine Tradition ihren Platz, ohne dass sie zur gemeinsamen Überzeugung erklärt werden muss.

Ich mag diese Gespräche, weil sie oft schon etwas von dem zeigen, was eine gute Partnerschaft ausmacht: einander zuhören, Unterschiede aushalten und gemeinsam etwas finden, mit dem sich beide wohlfühlen.

Und genau das ist auch mein Anspruch an die Zeremonie. Nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern eine Gestaltung, in der beide mit ihren Vorstellungen vorkommen. Dass wir dafür manchmal ein wenig um die Ecke denken müssen, macht meine Arbeit für mich nur interessanter.

Eine Rede von einer Sprache in die andere zu übersetzen, ist heute dank KI keine große Kunst mehr. Aber eine bilinguale Trauung ist für mich weit mehr als eine gelungene Übersetzung.

Denn Sprache transportiert nicht nur Worte. Sie erzählt auch etwas darüber, wie wir aufgewachsen sind, worüber wir lachen, wie wir Gefühle ausdrücken und was uns vertraut ist. Das unterscheidet manchmal schon einen Hamburger von einem Schwaben. Und erst recht können ein Kubaner und eine Deutsche ganz unterschiedliche Vorstellungen davon mitbringen, wie man Liebe, Familie und Verbundenheit zum Ausdruck bringt.

Genau diese Unterschiede finde ich spannend. Ich möchte, dass sich beide Familien in einer Zeremonie wiederfinden, ohne dass jede Geschichte zweimal erzählt werden muss. Dass die einen verstehen, worüber die anderen lachen. Dass ein Gedanke in der Sprache ausgesprochen wird, in der er seine größte Bedeutung entfaltet. Und dass niemand das Gefühl hat, nur die Übersetzung für die jeweils andere Seite mitzuhören.

Dafür braucht es mehr als Sprachkenntnisse. Es braucht ein Gespür für kulturelle Eigenheiten, für Humor und für die Menschen, die an diesem Tag zusammenkommen.

Wie ich deutsch-englische und deutsch-spanische Trauungen gestalte und worauf es mir dabei besonders ankommt, habe ich in meinem Beitrag über bilinguale freie Trauungen ausführlicher beschrieben.

Warum sollte eine zweite Hochzeit weniger schön gefeiert werden als die erste?

Manchmal braucht es im Leben einen zweiten Anlauf. Man hat geliebt, gehofft, vielleicht auch Abschied nehmen müssen. Und dann begegnet man einem Menschen, mit dem man noch einmal etwas Neues beginnen möchte. Das ist doch ein wunderbarer Anlass, zu feiern.

Auch die Erneuerung eines Eheversprechens hat für mich einen besonderen Reiz. Hier sagen zwei Menschen noch einmal Ja, die längst wissen, wie sich ein gemeinsames Leben anfühlt. Die miteinander gewachsen sind, manches ausgehalten und vieles miteinander erlebt haben. Ihr Versprechen hat inzwischen eine Geschichte.

Beide Anlässe können genauso festlich und persönlich gestaltet werden wie eine erste freie Trauung. Mit Familie, Freunden, Kindern, Musik und allem, was zu euch gehört.

Gerade bei diesen Gesprächen erlebe ich, wie wertvoll es sein kann, gemeinsam zurückzuschauen. Was haben frühere Erfahrungen mit uns gemacht? Was wissen wir heute über uns selbst, das wir damals noch nicht wussten? Was möchten wir bewahren, was bewusst anders machen? Und worauf können wir uns verlassen, wenn das Leben wieder einmal andere Pläne hat?

Solche Fragen stellt man sich im Alltag selten mit dieser Ruhe. Manchmal entsteht dabei ein Gespräch, das weit über die Vorbereitung einer Traurede hinausgeht. Nicht, weil ich Antworten vorgeben möchte, sondern weil es gut tun kann, einander zuzuhören und Gedanken auszusprechen, für die bisher die Gelegenheit fehlte.

Eine zweite Hochzeit muss sich nicht mit der ersten vergleichen lassen. Und ein erneuertes Eheversprechen muss nichts beweisen. Beide dürfen feiern, was heute zwischen zwei Menschen gewachsen ist, mit all der Erfahrung, die sie inzwischen mitbringen.

Das ist eine Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle.

Ich bin sehr dankbar für die Rückmeldungen, die ich nach meinen Trauungen bekomme. Wenn Menschen mir sagen: „So eine Rede habe ich noch nie gehört.“ Wenn jemand erzählt, dass er einer freien Trauung zunächst skeptisch gegenüberstand und nun ganz anders darüber denkt. Oder wenn Gäste berichten, dass sie nicht nur gelacht und sich berühren lassen haben, sondern auch etwas über das Paar erfahren haben, das ihnen bisher verborgen geblieben war.

Besonders schön finde ich es, wenn Menschen mir erzählen, dass sie während der Zeremonie auch über ihre eigene Beziehung nachgedacht haben. Darüber, was sie an ihrem Partner schätzen, wann sie ihm das zuletzt gesagt haben und wie viel von dem, was sie einmal miteinander verbunden hat, im Alltag noch bewusst gelebt wird.

Wenn eine Traurede solche Gedanken anstoßen kann, ohne sie jemandem aufzudrängen, dann hat sie für mich etwas sehr Wertvolles erreicht.

Eine gute Traurede sollte deshalb mehr sein als eine chronologische Nacherzählung vom ersten Kennenlernen bis zum Heiratsantrag. Sie darf klug sein, humorvoll, berührend und an manchen Stellen auch nachdenklich. Vor allem aber muss sie etwas über die Menschen erzählen, die da vorne stehen. Über ihre Eigenheiten, ihre Werte und darüber, weshalb sie sich füreinander entschieden haben.

Dafür braucht es zunächst einmal gutes Zuhören. Und anschließend die Fähigkeit, aus vielen Stunden Gespräch das herauszufinden, was wirklich wesentlich ist. Nicht jede schöne Anekdote gehört in eine Rede. Nicht jeder emotionale Moment braucht große Worte. Manchmal erzählt eine kleine Beobachtung mehr über zwei Menschen als eine ganze Seite voller Liebeserklärungen.

Ich sage meinen Paaren manchmal ganz offen: Ich möchte nicht eure neue beste Freundin werden. Und ich muss auch nicht später mit einem Aperol in der Hand auf euren Hochzeitsfotos auftauchen. Ich möchte diejenige sein, auf die ihr euch verlassen könnt. Die den Rahmen hält, wenn ihr vor Aufregung kaum noch wisst, wohin mit euren Gefühlen. Die den Überblick behält, den richtigen Ton trifft und euch die Sicherheit gibt, diesen Moment einfach erleben zu dürfen.

Dabei bringe ich natürlich auch meine eigene Lebenserfahrung mit. Ich kenne das Leben als Mutter, als Partnerin, als Frau, die ihren eigenen Weg gegangen ist. Ich weiß, wie viel Freude, Humor und manchmal auch Arbeit in einer Beziehung stecken können. Diese unterschiedlichen Perspektiven helfen mir, mich in Menschen und ihre Geschichten hineinzudenken. Nicht, um meine Erfahrungen zu ihren zu machen, sondern um genauer zu verstehen, was sie mir erzählen.

Und schließlich wird eine Traurede nicht nur geschrieben. Sie wird vor Menschen gesprochen. Es kommt darauf an, einen Raum wahrzunehmen, eine Pause auszuhalten, den Humor nicht zu erzwingen und zu spüren, wann ein Gedanke für sich stehen darf. Das verlangt neben sprachlichem Können auch Erfahrung, Präsenz und ein gutes Gespür für Menschen.

Am Ende ist für mich entscheidend, dass ihr euch in meinen Worten wiedererkennt. Dass eure Gäste euch darin entdecken, wie sie euch kennen, und zugleich etwas Neues über euch erfahren. Und dass ihr euch auch Jahre später noch an diesen Moment erinnern könnt, weil er wirklich etwas mit euch zu tun hatte.

Wenn mir das gelingt, dann war es für mich eine gute Traurede.

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